● Produktion & Wissen

Einblicke in die Produktion.

Von der Rezeptur bis zur geprüften Lieferung: Unsere Pulverlacke werden bei unserem Premiumpartner IBA Kimya entwickelt und produziert – einem Familienunternehmen in zweiter Generation. Hier zeigen wir Ihnen die einzelnen Produktionsschritte und erklären die wichtigsten Grundlagen rund um Pulverlack.

1977

gegründet in Ankara

2.

Generation Familienunternehmen

45+

Exportländer

Luftbild des Produktionsstandorts von IBA Kimya mit Photovoltaik auf den Hallendächern

● Produktion

Von der Rezeptur zum fertigen Pulver.

Pulverlack ist ein lösemittelfreier Beschichtungsstoff, der zu 100 % aus Festkörper besteht – ohne Lösemittel und ohne flüchtige organische Verbindungen (VOC). Damit er sich später gleichmäßig verarbeiten lässt und zuverlässig schützt, durchläuft er in der Produktion mehrere exakt aufeinander abgestimmte Schritte.

Anwendungstechnik bei IBA Kimya: Pulverlack wird in das Werkzeug einer Heißpresse appliziert

Schritt 1

Entwicklung & Rezeptur

Für jede Anwendung entsteht die passende Rezeptur – entwickelt und unter Praxisbedingungen getestet, etwa in der Heißpresse für In-Mould- und presshärtende Beschichtungen. Die Bestandteile:

  • Bindemittel & Härter – bestimmen Beständigkeit und Einsatzbereich
  • Pigmente – für Farbton und Deckkraft
  • Füllstoffe – beeinflussen Verlauf und Glanzgrad
  • Additive – steuern Verlauf, Entgasung und Struktur
Produktionsschritt 2: Einwiegen und Mischen der Rohstoffe

Schritt 2

Einwiegen & Vormischen

Die Rohstoffe werden exakt nach Rezeptur eingewogen und im Mischer zu einer homogenen Vormischung verarbeitet – die Grundlage für einen gleichbleibenden Farbton von Charge zu Charge.

Produktionsschritt 3: Extrusion

Schritt 3

Extrusion

Im Extruder wird die Vormischung aufgeschmolzen. Dabei werden Pigmente und Füllstoffe fein und gleichmäßig im Bindemittel verteilt.

Gebrochene Pulverlack-Chips nach dem Kühlen der Extrudatmasse bei IBA Kimya

Schritt 4

Kühlen & Brechen

Die heiße Masse wird auf dem Kühlband ausgewalzt, abgekühlt und zu kleinen Chips gebrochen.

Produktionsschritt 5: Mahlen und Sieben

Schritt 5

Mahlen & Sieben

Sichtermühlen vermahlen die Chips zu feinem Pulver mit definierter Kornverteilung – die mittlere Korngröße liegt typischerweise bei 30 bis 50 µm. Überkorn wird zurückgeführt, Feinanteile werden abgeschieden.

Spektralfotometrische Farbmessung im Labor von IBA Kimya

Schritt 6

Qualitätskontrolle

Im Labor werden Prüfbleche beschichtet und eingebrannt. Farbton, Glanz, Korngröße und Verarbeitung werden geprüft – der Farbton spektralfotometrisch im Abgleich mit dem Sollwert.

Produktionsschritt 7: Abfüllen und Liefern

Schritt 7

Abfüllen & Liefern

Das geprüfte Pulver wird abgefüllt, etikettiert und gelangt in unser Zentrallager in Stuttgart – von dort beliefern wir Sie zuverlässig.

Gebäude von IBA Powder Coatings mit Produktion und Verwaltung
IBA Powder Coatings – Produktion und Verwaltung

Qualität aus dem Labor

Bevor ein Pulverlack freigegeben wird, durchläuft er im Labor eine Reihe von Prüfungen – vom Einbrennen der Prüfbleche über die Farbmessung bis zur thermischen Analyse.

Prüfbleche werden im Laborofen bei IBA Kimya eingebrannt
Prüfbleche werden im Laborofen eingebrannt.
Thermische Analyse einer Pulverlackprobe per DSC im Labor von IBA Kimya
Thermische Analyse (DSC) – zur Prüfung von Glasübergangstemperatur und Vernetzungsverhalten.
Tiefungsprüfung nach Erichsen an einem beschichteten Prüfblech im Labor von IBA Kimya
Tiefungsprüfung nach Erichsen (DIN EN ISO 1520) – wie stark sich die Beschichtung verformen lässt, ohne zu reißen.

● Chemie

Die wichtigsten Pulverlackarten.

Außen · Architektur

Polyester

Der Standard für den Außenbereich: UV- und witterungsbeständig, eingesetzt in Architektur, Stahlbau und für Bauteile im Freien. Hochwetterfeste Qualitäten (Superdurable) erfüllen die erhöhten Anforderungen nach QUALICOAT Klasse 2. Erhältlich sind auch TGIC-freie Systeme, z. B. auf Hydroxyalkylamid-Basis.

Innen · Korrosionsschutz

Epoxid

Sehr gute Chemikalien- und Korrosionsbeständigkeit sowie elektrische Isolation – aber nicht UV-beständig. Epoxid-Pulverlacke werden deshalb im Innenbereich und als Grundierung eingesetzt, die sich mit Polyester überbeschichten lässt.

Innen

Epoxid-Polyester (Hybrid)

Für die meisten Anwendungen im Innenbereich: gute chemische und mechanische Eigenschaften und eine große Auswahl an Glanzgraden und Strukturen – typisch für Möbel, Regalsysteme, Geräte und Schaltschränke.

Glatte Oberflächen

Polyurethan

Sehr guter Verlauf für besonders glatte Oberflächen, gute Wetter- und Chemikalienbeständigkeit. Damit lassen sich auch graffitiabweisende Oberflächen realisieren. Polyurethan-Systeme benötigen in der Regel höhere Einbrenntemperaturen.

● Verarbeitung

So entsteht eine Pulverbeschichtung.

Schritt 1

Vorbehandlung

Haftung und Korrosionsschutz beginnen vor dem Lackieren: Die Oberfläche wird entfettet, gereinigt und erhält eine Konversionsschicht – bei Aluminium meist chromfrei nasschemisch, bei Stahl z. B. durch Eisen- oder Zinkphosphatierung oder Strahlen.

Schritt 2

Applikation

Das Pulver wird elektrostatisch aufgeladen und haftet am geerdeten Bauteil. Corona-Pistolen arbeiten mit Hochspannung (ca. 30–100 kV); die Tribo-Aufladung durch Reibung erreicht Innenecken und Vertiefungen besser. Overspray wird aufgefangen, gesiebt und wiederverwendet.

Schritt 3

Einbrennen

Im Ofen schmilzt das Pulver, verläuft und vernetzt. Maßgeblich ist die Objekttemperatur – die Temperatur des Bauteils selbst. Typisch sind z. B. 15 Minuten bei 180 °C; das verbindliche Einbrennfenster steht im technischen Datenblatt.

Schritt 4

Prüfen

Geprüft werden u. a. Schichtdicke, Glanzgrad (60° nach DIN EN ISO 2813) und Haftung (Gitterschnitt nach DIN EN ISO 2409). Übliche Schichtdicken liegen bei 60 bis 100 µm; für Fassaden nach QUALICOAT gelten in der Regel mindestens 60 µm.

Ein Prüfblech wird in der Laborkabine von IBA Kimya elektrostatisch mit Pulverlack beschichtet
Elektrostatische Applikation: Ein Prüfblech wird in der Laborkabine mit Pulverlack beschichtet.
Zwei Mitarbeiter von IBA Kimya an einer Heißpresse für Pulverlack-Anwendungen
Anwendungstechnik: Pulverlack wird in das Werkzeug einer Heißpresse appliziert – für In-Mould- und presshärtende Beschichtungen.

Corona oder Tribo?

Die Corona-Aufladung ist das Standardverfahren mit hoher Leistung. In Ecken und tiefen Vertiefungen kann jedoch der sogenannte Faradaysche Käfig den Pulverauftrag behindern, an Kanten baut sich mehr Schicht auf. Die Tribo-Aufladung kommt ohne Hochspannung aus und eignet sich besonders für komplexe Geometrien – setzt aber ein dafür geeignetes Pulver voraus.

● Qualität

Qualitätsklassen und Zertifizierungen.

Für Fassaden, Fenster und Stahlbau gibt es unabhängige Qualitätszeichen. Maßstab für die Witterungsbeständigkeit ist die Freibewitterung in Florida: Hohe UV-Strahlung, Wärme und Feuchtigkeit machen den Standort zum weltweit anerkannten Referenztest. Bewertet werden vor allem Glanzhaltung und Farbtonstabilität.

QualitätsklasseFlorida-BewitterungEinsatz
QUALICOAT Klasse 11 Jahr, Restglanz mind. 50 %Standard für die Architektur
QUALICOAT Klasse 23 Jahre, jährliche BewertungSuperdurable – erhöhte Anforderungen an Farb- und Glanzhaltung
QUALICOAT Klasse 310 JahreHyperdurable – höchste Anforderungen
GSB Standard · Master · PremiumStandard ca. 12 Monate, Master ca. 36 MonatePremium ist die höchste GSB-Stufe

QUALICOAT & GSB

Internationale Qualitätszeichen für die Beschichtung von Bauteilen in der Architektur – mit Vorgaben für Pulverlack, Vorbehandlung und Beschichtungsbetrieb. Bei uns erhalten Sie QUALICOAT- und GSB-zertifizierte Pulverlacke für die Architektur.

QUALISTEELCOAT

Qualitätszeichen für Beschichtungen auf Stahl und verzinktem Stahl. Es orientiert sich an den Korrosivitätskategorien der DIN EN ISO 12944 – bis hin zu C5 für Umgebungen mit sehr hoher Korrosionsbelastung.

● Oberflächen

Glanz, Struktur und Effekte.

Glanzgrade

Von Hochglanz über Seidenglanz und Seidenmatt bis Tiefmatt. Gemessen wird in Glanzeinheiten (GE) unter 60° nach DIN EN ISO 2813. Mit Mattierungsmitteln wie IBA Frost lässt sich der Glanzgrad glatter Pulverlacke gezielt senken.

Strukturen

Fein- und Grobstrukturen kaschieren Unebenheiten und sind im Alltag unempfindlich. Mit dem Strukturzusatz Tex-Add lassen sich glatte Pulverlacke strukturieren.

Metallics: gebondet oder Dry-Blend?

Bei Dry-Blend-Metallics sind die Effektpigmente nur beigemischt und können sich bei Applikation und Rückgewinnung entmischen. Bei gebondeten Metallics wie IBA Bond sind sie fest an die Pulverpartikel gebunden – für einen gleichmäßigen Effekt und wiederverwendbares Overspray.

Special Effects

Hammerschlag, Antik, Moiré, Kroko, Holzdekor, Soft-Touch, Flip-Flop, Chrom-, Glow- und Neon-Effekte sowie transparente Klarlacke. Alle Special Effects

Funktionale Pulverlacke

Antibakteriell (IBA Clean), ableitfähig für ESD-Bereiche (IBA Ground), Dünnschicht (IBA Thin), ausgasungsstabil (IBA Release), Barriereschutz (Corrshield) sowie Pulverlacke für Glas und Stromschienen. Alle Smart Coatings

● Praxis

Vorteile und Praxistipps.

Darum Pulverlack

  • Lösemittelfrei – keine VOC-Emissionen
  • Overspray lässt sich zurückgewinnen und wiederverwenden
  • Hohe Schichtdicken in einem Arbeitsgang
  • Robuste, widerstandsfähige Oberflächen
  • Nach dem Abkühlen sofort weiterverarbeitbar
  • Große Auswahl an Farbtönen, Glanzgraden und Effekten

Darauf sollten Sie achten

  • Der Untergrund muss die Einbrenntemperatur vertragen – für wärmeempfindliche Teile gibt es Niedertemperatur-Pulverlacke wie IBA Fast, für Holzwerkstoffe wie MDF Speziallösungen wie TRUEFUZE.
  • Sehr dünne Schichten erfordern spezielle Dünnschicht-Pulverlacke.
  • Farbwechsel bedeuten Reinigungsaufwand an Kabine und Rückgewinnung.
  • Einbrennfenster, Schichtdicke und Vorbehandlung immer nach technischem Datenblatt.

Richtig lagern

Kühl und trocken im Originalgebinde lagern, in der Regel bei maximal 25 °C und ohne direkte Sonneneinstrahlung. Die Lagerfähigkeit ist im technischen Datenblatt angegeben.

Verbrauch berechnen

Verbrauch (g/m²) = Dichte (g/cm³) × Schichtdicke (µm)

Beispiel: 1,5 g/cm³ × 70 µm = 105 g/m² – theoretischer Wert, zuzüglich Applikationsverlusten.

Sie planen ein Beschichtungsprojekt?

Wir beraten Sie persönlich – von der Auswahl des passenden Pulvers bis zur Lieferung.

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